After Work

Stell dir vor, du triffst einen Mann in einer Bar.
Und er ist heiß und sexy und interessant.
Stell dir vor, du erzählst ihm alles von dir.
Und du küsst ihn.
Dann stell dir vor, du kommst am nächsten Morgen ins Büro.
Und er ist dein neuer Chef.

 

 

 

After Work behandelt ein sensibles Thema, dass die Menschen bis ins extreme unterschiedlich sehen und wahrnehmen: Gewicht.

Lexia ist eine Frau mit Rundungen und alles andere als ein Hungerhaken. Sie steht zu ihrem Gewicht und zu ihrem Essverhalten. Trotzdem muss sie seit ihrer Kindheit den Spott ihrer reichen und schlanken Mitmenschen anhören. Das lässt auch im Erwachsenenalter nicht nach. Immer wieder muss sie sich den hämischen Blicken bis hin zu fiesen Kommentaren aussetzen. Das kostet viele Nerven und Kraft.

Doch statt sich unterkriegen zu lassen, hat Lexia sich ihren Traumjob als Werbetexterin in einer Männer dominierten Branche besorgt. Mit dem Hintergrund, dass sie nun mit dem Ehemann ihrer größten Peinigerin zusammen arbeiten muss und natürlich ist er kein Deut besser.

Als Lexia dann vom Verkauf ihrer Werbefirma erfährt und den Führungswechsel, beschließt sie mit ihren Freundinnen auszugehen. Doch auch ihre Rivalin ist Teil der Mädchenclique und sorgt für eine Nacht ohne Lexia.

Also beginnt Lexia am ursprünglichen Treffpunkt in einer Bar den Abend alleine mit Alkohol zu verbringen. Nach ein paar Getränken gesellt sich ein attraktiver und durchtrainierter Mann zu ihr an die Theke. Aus betrunkenem Kopf heraus erzählt ihm Lexia ihre ganzen Ängste und Geheimnisse. Darunter ihr größtes Problem: das Übergewicht. Nach ein paar Gläsern zu viel überfällt sie den Mann und küsst ihn.

Als Lexia am nächsten Tag völlig verkatert zum Morgenmeeting erscheint, wird der neue Geschäftsführer vorgestellt. Adam Nylund ist in der Finanzbranche bekannt wie ein bunter Hund und soll die Firma für seinen Freund und Chef auf Fordermann bringen. Leider ist er auch der attraktive Mann aus der Bar, dem Lexia nicht nur geküsst, sondern auch auf die Schuhe gekotzt hat.

Ab hier beginnt ein Wechselbad der Gefühle, der einem schon etwas nerven kann. Immer wieder gestehen Lexia und Adam sich ihre Zuneigung selber und dann sind sie wieder der Meinung, dass es das Arbeitsverhältnis ruinieren würden. Ein Schritt nach vorne, drei wieder zurück. Leider zieht das die Geschichte ganz schön weit raus. Für mich war das etwas anstrengend, da ich immer dachte, jetzt aber und dann doch wieder nicht.

Außerdem habe ich mich immer gefragt, wie Übergewichtig Lexia denn eigentlich ist. Es wird immer über die allgemeinen Ansichten des Themas gesprochen, zum Beispiel, dass man ab Konfektionsgröße 40 bereits als übergewichtig klassifiziert wird, aber welches Gewicht, BMI, Kleidergröße etc. Lexia hat, wird nie erwähnt. Sie wird oft dargestellt, also würde sie mächtig viel Essen und dann heißt es wieder nur üppige Brüste und schöne Rundungen. Was genau heißt das?

Übergewicht kann vieles bedeuten. Es könnte sein, dass Lexia einfach nur nicht in der Magermodelwelt stand halten würde und einfach ganz normal+ gebaut ist oder dass sie wirklich einen dicken Bauch und einen zu großgeratenen Hintern hat.

Ich persönlich kenne das Thema Übergewicht am eigenen Leib, haha. Deswegen wollte ich das Buch auch unbedingt lesen, einfach weil ich mich mal wirklich mit der Protagonistin identifizieren kann. Das fiel mir hier aber zum Teil etwas schwer. Wenn man wirklich von Kindesbeinen an übergewichtig ist und nicht nur leichte Rundungen aufweist, fühlt man sich hier ganz schön minderwertig... Dass dann noch das schöne Cover mit einer schlanken Frau geziert wird, macht das Ganze nicht gerade besser...

Sollte sie wirklich richtig übergewichtig sein, ist die Wahrscheinlichkeit ein Gott von Mann wie Adam zu bekommen gegen Null. Ja, es macht Hoffnung und Mut, kann aber auch gewaltig in die Hose gehen.

Leider hat mich an der Schreibweise von Simona Ahrenstedt die dauerhaften Wiederholungen der Probleme von Lexia und hauptsächlich Adam gestört. Immer wurde die Vergangenheit der beiden als Grund für sämtliche Charakterzüge oder Ereignissen genutzt. Ich weiß nicht, wie oft ich lesen musste, dass Adam als Kind geschlagen und misshandelt wurde, obwohl das in den Moment nicht rein passte. Normalerweise ist das nicht der Stil der Autorin.

Die Geschichte hatte so viel Potenzial, aber leider wurde der Großteil verschenkt... Ich habe mich über einen romantischen und einfühlsamen Roman gefreut, der mich leider enttäuscht hat. Nur das Ende und die flüssige Schreibweise konnte noch ein wenig was retten.

 

Aus diesen Gründen erhält "After Work" leider nur 2 von 5 Sternen!

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17.11.2019

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